15.09.13

Neuer Stadtdekan Schwesig wirbt für eine freudige Kirche

Mit einem festlichen Gottesdienst wurde am Sonntagnachmittag (15. September) der neue Stuttgarter Stadtdekan Søren Schwesig in sein Amt eingeführt. In seiner Predigt in der bis auf den letzten Platz besetzten Gedächtniskirche warb Schwesig für ein freudiges Christsein.

Stadtdekan Schwesig wirbt für freudiges Christsein. Thomas Rathay hat ihn dabei fotografiert.

Stadtdekan Schwesig predigte über den Bibelspruch „Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Nehemia 8,10). Bei diesem Spruch gehe es nicht um ein billiges „Kopf hoch, das wird schon wieder“, sondern „es ist die Freude eines Menschen, der erkannt hat, dass Gott sich den Menschen immer wieder zuwendet. Es ist die Freude darüber, dass Gott jedem einzelnen von uns sagt: „Ich kenne dich. Ich weiß um dich. Du bist mir lieb.“ In dieser schlichten und befreienden Botschaft lasse sich der Inhalt der gesamten Bibel zusammenfassen. Schwesig weiter: „Wenn ein Mensch erkennt, dass Gott sich ihm mit dieser Liebeserklärung versprochen hat, wie sollte er nicht angesichts dieser Liebeserklärung sein Leben führen aus einem Grundgefühl der Freude heraus?“

Bei aller Glaubensfreude hat es die Kirche derzeit nicht immer leicht – oder mit Schwesigs Worten: „Unsere Kirche befindet sich in einer Zeit des Umbaus.“ Sie werde zahlenmäßig kleiner und müsse Entscheidungen treffen, die schmerzen. Hilfreich sei da das Selbstverständnis der Kirche als „wanderndes Gottesvolk“. So ein „wanderndes Gottesvolk“ verlasse sich nicht auf Strukturen, sondern auf Gott. Und auch wenn dieses Gottesvolk durchaus seine Schattenseiten habe, so hat Gott doch ausgerechnet ihm „sein Evangelium anvertraut, weil er es bei uns in guten Händen glaubt und weil er uns zutraut, dass wir dieses Evangelium weitergeben.“ Was für Schwesig zusammengefasst bedeutet: „Die Freude darüber, dass Gott uns so viel zutraut, sollte nun wirklich mehr wiegen als alle Sorge vor demographischen und sonstigen Entwicklungen.“ Und darum wünscht er sich „eine starke Kirche, deren Stärke darin liegt, dass sie erfüllt von Freude ihren Dienst tut.“

Stadtdekan Schwesig hat „eine feiernde Kirche“ zum Ziel, „die davon lebt, dass Menschen zusammen kommen und in den verschiedensten Formen und Weisen ihren Glauben miteinander feiern“ und „die ihre Unterschiedlichkeit als Reichtum begreift“. Er wünscht sich „eine diakonische Kirche, die weiß, dass sie gar nicht anders Kirche sein kann, als zu sagen: In jedem Menschen, der mir begegnet, begegnet mir mein Bruder und meine Schwester – unabhängig von seiner Religion, Hautfarbe, politischen Haltung, sexuellen Orientierung oder anderem.“ Und er träumt von „einer missionarischen Kirche, die sich nicht selbst genug ist“, „die aus ihren Mauern heraustritt, um mit den Menschen der heutigen Gesellschaft in einen Dialog zu treten, um sich von ihren Sorgen bewegen und von ihren Fragen herausfordern zu lassen.“

 

OB Fritz Kuhn lobt den Beitrag der Kirchen für das Zusammenleben in der Stadt

 

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte in seinem Grußwort: „Ich bin wirklich beeindruckt von Ihrer Predigt.“ Der Satz „ich weiß um dich“ werde immer wichtiger in der Stadtgesellschaft, denn „jeder Mensch in unserer Stadt ist wertvoll, wir müssen uns um jeden kümmern“. Der Beitrag der evangelischen und katholischen Kirche für die Stadtgesellschaft, ihr „Einmischen“ sei wichtig für das Zusammenleben. Kuhn: „Wenn Sie das tun, dann ist mir vor der Demographie nicht bange.“ Als aktuelle soziale Herausforderung wies Kuhn auf die steigende Zahl von Asylbewerbern hin. Für seine Bitte an die Kirchen, „dass wir Flüchtlinge gemeinsam unterstützen und schützen vor denen, die sie nicht gerne sehen“, erhielt er kräftigen Applaus der rund 500 Gottesdienstbesucher.

 

Auch der katholische Stadtdekan Dr. Christian Hermes lobte Schwesigs Predigt: „Sie hat gezeigt, dass Sie ein frischer Kopf sind.“ Frische sei wichtig, gerade für die Kirche. Es gehe darum, „aufmerksam wahrzunehmen, was in unserer Gesellschaft und in unseren Kirchen vor sich geht.“ Christen sollten „nicht verschrocken sein, als ob es peinlich wäre, an Gott zu glauben und einer Kirche anzugehören“, sagte Hermes. Die Menschen in der Stadt erwarteten von den Kirchenvertretern, „dass wir hinstehen und sagen, was wir zu sagen haben.“


„Sie kommen als Stadtdekan in eine reiche Tradition und in ein vielfältiges kirchliches Leben hinein“, sagte der Stuttgarter Prälat Ulrich Mack, der die Einführung von Stadtdekan Søren Schwesig leitete. Die Kirche habe „den Anspruch, öffentlich zu sein und die Gesellschaft zu gestalten“. Mack fragte: „Gibt es etwas Schöneres, als aus Gottes Liebe zu leben und sie an die Menschen in Stuttgart weiterzugeben?“


Musikalisch wurde der Gottesdienst von den Kirchenmusikern, Chören und Ensembles an der Gedächtnis- und Rosenbergkirchengemeinde gestaltet.