04.05.16

Charlotte Reihlen als Gründerin des "Töchterinstituts"

Die Gründung des "Töchterinstituts" vor 175 Jahren war Teil eines Bildungsaufbruchs im 19. Jahrhundert.

Dr. F. Lang, Dr. K. de la Roi-Frey, S. Spohn, Dr. T. Held

Zwar beantragten drei Männer im Frühjahr 1841 die offizielle Genehmigung zur Errichtung einer "Privat-Lehranstalt für Töchter" in Stuttgart, doch die Initiative dazu ging von einer Frau aus, von Charlotte Reihlen. Das stellten bei einem Vortragsabend "Über das politische und kirchliche Umfeld des Töchterinstituts" am 03.05.2016 im Festsaal des MÖRIKE Dr. Karin de la Roi-Frey und Dr. Friedrich G. Lang übereinstimmend fest. In ihren Referaten machten sie deutlich, dass diese Schulgründung tatsächlich als "Bildungsaufbruch im 19. Jahrhundert" zu verstehen ist.

Aufgebrochen wurde damit, so die Lehrerin, Frauenforscherin und Schriftstellerin de la Roi-Frey, die Begrenzung der Frauen auf den häuslichen Bereich und ihre rechtliche Fremdbestimmung durch den Ehemann. De la Roi-Frey zeichnete eine direkte Linie von der Gründung der Höheren Mädchenschulen bis zur Öffnung der Universitäten für Frauen (1904 im Königreich Württemberg) nach.

Dieser Bildungsaufbruch, das machte der Theologe und Autor Lang deutlich, vollzog sich in einem ungeheuer dynamischen gesellschaftlichen Umfeld. Im Gründungsjahr der Schule zeigte sich der agrarische Charakter des Königsreichs Württemberg beim Umzug zum silbernen Thronjubiläum des Königs. Schon wenige Jahre später gründete die Kaufmannsfamilie Reihlen mehrere Fabriken. Vor diesem Hintergrund zeichnete Lang das Leben der Pfarrerstochter und Bürgersfrau Charlotte Reihlen und ihr bürgerschaftliches Engagement nach.

Abschließend dankte Schulleiterin Sonja Spohn de la Roi-Frey und Lang für die lebendigen Vorträge und lud sie ein, ihre Darstellungen weiteren Kreisen an der Schule zugänglich zu machen. Bei Dr. Thomas Held bedankte sie sich für die Initiative und die Organisation des Vortragsabends.