Stolperstein-Aktion des Evangelischen Mörike in Kooperation mit der Stolperstein-Initiative

04.02.21

Am 2. Februar 2021 haben die drei Schülersprecher, Bruno Wagenblast, Amélie Schwarz und Nikscha Volkmar als Vertreter der SMV und Herr Störzinger als Vertreter der Schulleitung des Evangelischen Mörike an das Unrecht, das den Menschen im Dritten Reich widerfahren ist, in einer Stolpersteinputzaktion erinnert.

In der Aktion wurde der Stolperstein für Hermine Mayer, der 2005 als einer der ersten Stolpersteine in Stuttgart durch die Schulgemeinschaft des Evangelischen Mörike gestiftet worden ist und seitdem eine enge Patenschaft besteht, gereinigt.

Die Geschichte Hermine Mayers steht dabei im Vordergrund:

Durch die Arbeit der Stolperstein-Initiative ist inzwischen bekannt, dass Hermine Mayer noch am 29. Juli 1942 in Buchau am Federsee den Wittwer Siegfried Fleursheimer heiratete (Jg. 1864), der Teilhaber der Firma Heinrich Richheimer & Cie, Lederwaren und Reiseartikel, mit Sitz im Stuttgarter Westen gewesen war.

Die zwei alten Leute wurden am 22. August 1942 zusammen mit weiteren 937 zumeist betagten Menschen aus so genannten jüdischen Altersheimen, sog. „Judenorte“, vom Stuttgarter Nordbahnhof aus in das „Altersghetto“ nach Theresienstadt deportiert, in großes Elend.

Die dortige Situation wird in H.G. Adlers Buch: Theresienstadt 1941 – 1945 beschrieben: „In den überfüllten Gebäuden fehlten die Öfen, die Lichtleitungen waren mit den Kontakten herausgerissen, die meist nicht spülbaren Aborte unbrauchbar. (…) In den Räumen und in den Höfen lagen Berge von Unrat. Ratten und Ungeziefer hatten sich eingenistet (…).

Es fehlten Krankenhäuser und Krankenstuben. Man legte die Kranken auf die bloße Erde; oft blieben sie unbedeckt wie die Menschen in den übrigen Stuben. Die Menschen starben friedlos und unbehütet ohne Zuspruch, ohne freundlichen Blick.“

Auch Siegfried Fleursheimer starb bald nach der Ankunft am 7. September 1942. Seine Frau wurde mit den noch Überlebenden zur Vernichtung nach Treblinka transportiert.

Hier verliert sich ihre Spur.

Auch 79 Jahre später spüren wir welches Unrecht den Menschen im Dritten Reich widerfahren ist.

Auch wenn wir keine Schuld und Verantwortung für die Vergangenheit tragen, sollten wir all diese Grausamkeit nicht vergessen. Wir alle können froh sein, geeint in einem freiheitlich-demokratisch geprägten Land leben zu dürfen, in dem es das oberste Ziel ist, die Würde des Menschen als höchstes Gut zu achten und zu schützen.

Wir alle tragen Verantwortung hinsichtlich gleichwertiger Integration aller gesellschaftlicher Gruppen in die Gesellschaft, unabhängig von deren Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion sowie Gesinnung, Weltanschauung, nationaler oder sozialer Herkunft oder Minderheitenzugehörigkeit. Nur durch gleichwertige Integration, gegenseitige Toleranz und Respekt kann gesellschaftliches Miteinander funktionieren.

Vielen Dank an die Stolperstein-Initiative Stuttgart-Süd!